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Parallel verlaufende Nervenfasern bilden im ZNS Bahnen, ausserhalb des ZNS Nerven. Jede erregbare Nervenfaser (Axon) kann unabhängig von ihren Nachbarn Informationen in Form von elektrischen Impulsen (AKTIONSPOTENTIALE) fortleiten.

Die erregbare Nervenfaser

Form und Dauer aller Aktionpotentiale (AP) sind meistens gleich (Dauer: ca. 1 ms, Amplitutde ca. 120 mV). Die Intervalle zwischen den AP’s sind verschieden lang. In ihnen ist die Information, die übertragen werden soll, ver-schlüsselt. Eine solche Verschlüsselung wird als Impulsfrequenzmodulation bezeichnet. So bedeutet beim Muskel eine tiefe Frequenz eine kleine Anspannung, eine hohe eine grosse Anspannung.

Current Clamp Experimente

(beim Tintenfisch, Durchmesser des Axon = 0.5 mm)

Versuchsanordnung bei einer Membran des Axons mit variabler Stromstärke.
Die Stromstärke wird manuell verändert. Wenn Rechteckströme kleiner Stromstärken durch die Membran fliessen, reagiert sie mit einer kleinen lokalen Antwort. Sobald eine bestimmte Stromstärke überschritten wird (Schwelle), entsteht ein Aktionspotential. Es gibt keine AP’s halber Grösse. Dieses Phänomen wird als Alles-oder Nichts-Gesetz bezeichnet.

Voltage Clamp Experimente

Versuchsanordnung zwingt der Membran eine Spannung auf und der Strom, der dazu notwendig ist, wird gemessen.
Rechteckförmige Spannungsabschnitte werden dem Ruhepotential überlagert, die je nach Amplitude und Polarität die Membran verschieden stark hyper- oder depolarisieren. Bei Hyper-polarisation treten Membranströme auf, die ungefähr dem Ohmschen Gesetz folgen. Bei Depo-larisation tritt vorerst ein Einwärtsstrom auf, dem ein Auswärtsstrom folgt. Bei starker Depolarisa-tion der Membran wird der Einwärtsstrom kleiner und geht bei ca. 120mV Depolarisation in einen Auswärtsstrom über. Der Auswärtsstrom wird hingegen grösser, je stärker die Membran depolarisiert wird.

Na+- Strom durch Tetradoxin (TTX): wird grösser bis zu 60 mV, geht dann zurück und ändert Vorzeichen

K+-Strom durch Tetraäthylammonium (TEA): K+ Gleichgewichtspotential ist sehr stark negativ = -80 mV, wird die Membran depolarisiert, geht das K+-Gleichgewicht weiter weg;
K+ -Fluss wird immer grösser

Versuche mit diesen Substanzen zeigten, dass der Membranstrom aus Na+ und K+ -Strömen besteht. Der kurzdauernde Einwärtsstrom besteht aus Na+-Ionen, der langdauernde Auswärts-strom aus K+-Ionen.

GK: Es gibt Membranproteine mit Kanälen in der Membran, durch die nur K+-Ionen treten können. Jeder Kanal kann durch Konfigurationsänderungen auf vier Arten verschlossen werden. Jede dieser Möglichkeiten stellen wir uns als Türe vor. Jede „Türe“ kann also den Kanal verschliessen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine „Türe“ offen ist, ist n. Daraus folgt, unter der Annahme, dass die Leitfähigkeit GK proportional den offenen Kanälen ist:

Bei Ruhepotential sind die meisten „Türen“ geschlossen, bei Depolarisation öffnen sie sich mit einer bestimmten Geschwindigkeit. Türen sind “spannungsabhängig”.

GNa: Es gibt Membranproteine mit Kanälen, durch die nur Na+-Ionen treten können. Jeder kann durch vier „Türen“ verschlossen werden: 3 m-“Türen“ (Wahrsch.., dass offen = m) und eine h-“Türe“ (Wahrsch., dass offen = h). Daraus folgt:

Bei Ruhepotential sind die h-“Türen“ zu 60% offen, die m-“Türen“ geschlossen. Bei Depolarisation öffnen sich die m-“Türen“ rasch und die h-“Türen“ schliessen sich langsam.

Na+-Kanal

Ein Na+-Kanal kann auf vier verschiedene Arten verschlossen werden. Jede der Türen kann den Kanal verschliessen.

Nur wenn alle Türen offen sind, ist die Membran permeabel.

K+-Kanal

Man hat vier gleiche Türen.

Für jeden Kanal gilt das Alles-oder Nichts-Gesetz, d.h. er ist offen oder geschlossen. Dieses Alles- oder Nichts-Gesetz hat nichts, mit dem AP zu tun.

Alles- oder Nichts-Gesetz des AP

Eine Erhöhung der Reizstärke um 0.02% genügt, um aus einem unterschwelligen (ohne AP) einen überschwelligen Reiz (mit AP) zu bekommen. Dieses Phänomen erklärt sich mit der depolarisierenden Wirkung des Reizes. Weil sich die m-Türen rasch öffnen, verändern sich dabei die Ionenstärke. Sobald die Depolarisation so gross wird, dass der Na- Einwärtsstrom grösser wird als der K-Auswärtsstrom, tritt eine positive Rückkoppelung ein, die ein AP einleitet.

Fortleitung des Aktionspotentials

Im intakten Organismus werden AP’s vom initialen Segment zum Teledendron fortgeleitet. Es entstehen dadurch Ströme entlang des Axons. Ströme fliessen extrazellulär zur Stelle, wo sich das AP befindet. Dadurch werden die benachbarten Stellen depolarisiert, bis die Schwelle erreicht und dort ein AP ausgelöst wird.
In der nichtmyelinisierten Nervenfaser muss die Fortleitung als kontinuierlicher Vorgang ange-sehen werden. AP’s werden in dicken Fasern rascher fortgeleitet als in dünneren, da zum einen die erregbare Membranfläche/Längeneinheit grösser und zum anderen der Ionenwiderstand der Nervenfaser kleiner wird (Querschnittsveränderung!) So kann Ionenstrom zweimal so gut in Längsrichtung fliessen.

Invertebraten haben nur nicht-myelinisierte Nervenfasern, die z.T., um grosse Fortpflanzungsge-schwindigkeiten zu erreichen (bis 30 m/s) einen Durchmesser bis zu 0.5 mm aufweisen. Verte-braten haben neben nicht-myelinisierten Nerverfasern auch myelinisierte, die noch grössere Fortleitungsgeschwindigkeiten aufweisen können.

Myelinisierte Fasern

Die dicken myelinisierten Fasern haben einen Durchmesser von ca. 0.02mm. Der Abstand zwischen zwei Schnürringen beträgt 2 mm. AP’s entstehen nur an den Schnürringen und breiten sich saltatorisch, von einem Schnürring zum anderen aus. Je dicker die Myelinscheide, desto grösser der Abstand zwischen den Schnürringen, desto grösser die Fortleitungsgeschwindigkeit. Die Myelinscheide stellt einen Ohm’schen Isolator dar, durch den nur kapazitive Ströme fliessen.

  • AP wird nur an den Schnürringen generiert; deshalb “saltatorische” Fortleitung (springend)
  • Strom geht bei den Schnürringen durch kapazitiver Strom, geht dann als Na+-Strom wieder rein
  • Wenn die Myelinscheide dünn ist, geht viel kapazitiver Strom auf dem Weg von Schnürring zu Schnürring verloren.D.h., es würde ein kleiner Strom ankommen. Bei dünnen Myelinscheidefasern werden AP schon nach zirka 2 mm generiert, rascher also.

Refraktärperiode

Nach jeder Erregung ist eine Nervenfaser refraktär, d.h. sie ist gar nicht oder weniger erregbar als vor der Erregung.

Absolute Refraktärperiode: Während dieser Zeit ist die Nervenfaser unerregbar. Die absolute Refraktärperiode ist kurz vor der Repolarisation beendet. Das Na+-System ist so stark inaktiviert, dass der Na+- Strom nicht mehr grösser werden kann als der K+-Strom. Die Schwelle wird so nie erreicht.
Relative Refraktärperiode: Während dieser Zeit ist die Nervenfaser erregbar, aber die Schwelle ist erhöht. Die relative Refraktärperiode dauert ungefär 10 ms. Während dieser Zeit haben die h- und m-Türen ihre ursprünglichen Werte noch nicht erreicht.
Verkleinerung von h: Inaktivierung des Na+-Systems
Vergrösserung von n: Aktivierung des K+-Systems
Dies bewirkt eine Erhöhung der Schwelle und eine Verkleinerung der Amplitude des AP’s.

Reizzeit - Spannungskurve (Stromkurve)

Die Kurve gibt die Zeit bzw. die Stromstärke an, die benötigt werden, um ein AP auszulösen. Spezielle Werte sind:

Rheobase: Die minimale Reizstärke eines beliebig langen Rechteck-Reizes,
die notwendig ist, um ein AP auszulösen.

Chronaxie: Dauer eines Rechteck-Reizes doppelter Reobasen-Stärke, der
notwendig ist, um ein AP auszulösen.

Die Reizzeit-Spannungskurve ist die Schwellenkurve für Rechteck-Reizimpulse. Sie weist einen hyperbelähnlichen Verlauf auf mit der Gleichung:

Das Summenpotential eines Nerven

Aktionspotentiale werden meist mit intrazellulären Elektroden gemessen, wobei die Spannung zwischen Membran Innen- und Aussenseite gemessen wird. Die Aktivität ganzer Zellgruppen kann mit extrazellulären Elektroden gemessen werden, die nahe an die erregbaren Zellen gebracht werden. Da extrazelluläre Ströme fliessen (s. Fortleitung von AP) können damit Spannungen gemessen werden, die aber kleiner sind als die transmembranären Spannungen, die ihnen zugrunde liegen. Ein AP ist ungefähr 100 mV gross, ein SP dagegen 100 Mikrovolt, also rund tausend mal kleiner.

Wenn zwei Reizelektroden und 2 differente Ableitelektroden am Muskelnerv liegen, wandert eine negative Stelle (verursacht durch die individuellen AP’s) von der Reiz- zur Ableitelektrode und weiter. Wenn sie an der ersten und zweiten Ableitelektrode vorbei kommt, tritt jedesmal eine Spannungsschwankung zwischen den Elektroden auf, die umgekehrt polarisiert sind. Wegen diesen Phasen bezeichnet man das Ganze als diphasisches Summenpotential. Es wird als Summenpotential bezeichnet, weil alle erregten Nervenfasern dazu beitragen.

Wenn nur eine differente Ableitelektrode vorliegt (z.B. 2. Elektrode über einen Knochen) oder der Nerv unter der einen Ableitelektrode zerstört ist, wird ein monophasisches Summenpotential registriert.

Die Reizung eines Nerven

Wenn ein Nerv gereizt wird, ist die eine Reizelektrode negativ (Kathode), die andere positiv (Anode). Die Nervenfasern werden an der Kathode depolarisiert und je nach Reizstärke erregt. An der Anode werden die Fasern hingegen hyperpolarisiert und die Schwelle ist während des Reizes dort erhöht. Sie kann so hoch sein, dass ein fortleitendes Summenpotential blockiert wird (Anodenblock).

Wenn eine einzelne Nervenfaser gereizt wird, gilt das Alles- oder Nichts-Gesetz. Bei Reizung eines Nerven ist es nicht gültig, da nicht alle Nervenfasern die gleiche Reizschwelle aufweisen. Wenn die Reizstärke erhöht wird, können daher 5 Reizstärken unterschieden werden, die aufgrund der Grösse des Summenpotentials (SP) ermittelt werden:

unterschwellig, Schwellenreiz, überschwellig, maximal, supramaximal

Fortpflanzungsgeschwindigkeit des DSP

Die Zeit zwischen Reizbeginn und Beginn des DSP wird als Latenzzeit bezeichnet. Die Latenzzeit setzt sich aus der Nutzzeit und aus der Fortpflanzungszeit zusammen. Die Nutzzeit ist die Zeitspanne zwischen Reizbeginn und Erregungsentstehung am Reizort. Die Fortpflanzungs-geschwindigkeit wird auf der ganzen Länge der präparierten Nerven als konstant angenommen. Sie kann berechnet werden, wenn die Latenzzeit von zwei verschiedenen Ableitorten bekannt ist. Die Fortpflanzungszeit von einem Ableitungsort zum nächsten ist gleich der Latenzzeitdifferenz.

Rasch fortleitende Nervenfaser: Rücken zu Muskeln, Muskelspindel zu Rückenmark

Dickste Nervenfasern haben tiefste Schwelle, sind am leichtesten reizbar.

Klassifizierung der Nervenfasern

Die langsamsten Nervenfasern im ZNS des Menschen haben eine Fortleitungsge-schwindigkeit von 1-2 m/s, die raschesten von ungefähr 100 m/s. Die Nervenfasern werden gemäss ihrer Fortpflanzungsgeschwindigkeit und Funktion klassifiziert.

Klassifizierung und Eigenschaften von Nervenfasern von Wirbeltieren:
D: Durchmesser, M: Myelinscheide, V: Fortleitungsgeschwindigkeit, PR: Refraktärperiode,
H: Empfindlichkeit auf Hypoxie, A: Empfindlichkeit auf Anästhesie

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